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Das Technische Bild

Humboldt-Universität zu Berlin | Das Technische Bild | Projekte | Aktuelle und assoziierte Projekte

Aktuelle Projekte


Technische Bildzensur. Infrastrukturen der Löschung | Katja Müller-Helle

Venus_censored.pngTechnische Bildzensur ist omnipräsent und gleichzeitig unsichtbar. Content Moderation in sozialen Medien und automatische Löschungen durch Algorithmen schaffen einen neuartigen Zusammenschluss menschlicher und nicht-menschlicher Akteure, die bildethische und juridische Verschiebungen im Feld der Sichtbarkeit anstoßen. Hatten tradierte Institutionen der Zensur durch gesetzliche und religiöse Normen den Wirkungskreis gefährlicher Bilder reguliert, sind es heute automatisierte, von internationalen Konzernen kontrollierte Mechanismen, die sozio-technische Skripte der Bildlöschung steuern. In der Öffentlichkeit technischer Bildwelten werden Sichtbarkeitsmarker der Löschung - wie Zensurbalken oder Verpixelung - von Upload-Filtern, Content Moderation oder Deepfakes abgelöst. Das Forschungsprojekt widmet sich dieser Experimentalphase der Digitalmoderne, die in technischer, sozialer, juridischer und bildtheoretischer Hinsicht noch einmal neu verhandelt, welche Bilder im Datenstrom zirkulieren, aus dem Blickwinkel verschwinden oder nie ans Licht der Öffentlichkeit gelangen.

 

Das Bild ist im Betrachter. Eine qualitative Fallstudie zu Motiven und Motivationen 'fotografierender Kunstbetrachtung' | Lea Hilsemer

Ausgangspunkt des Promotionsprojekts ist die Beobachtung, dass mehr und mehr Besucher*innen in Kunstausstellungen mit ihren Smartphones fotografieren. Gegenüber der häufig geäußerten Annahme, dass das Fotografieren in Ausstellungen Kunstrezeption stört, verhindert oder ersetzt, wird hier im Rahmen einer kultur- und sozialwissenschaftlichen Untersuchung der Frage nachgegangen, ob sich eine Auseinandersetzung mit Kunst gerade durch oder mithilfe des Fotografierens in Ausstellungen und in Zusammenhang mit den sozialen Gebrauchsweisen dieser Bilder vollzieht.
Teil der Arbeit ist eine kultur- und sozialwissenschaftliche Untersuchung des Phänomens im Rahmen einer Fallstudie, bei der mit fotografierenden Ausstellungsbesucher*innen, ausgehend von ihren eigenen Ausstellungsfotos, qualitative Interviews geführt wurden.
Das erhobenen Material offenbart, dass Ausstellungsfotografien in diverse Praktiken eingebettet sind, und dass sie vielfältige Spielarten der Beschäftigung mit dem Gesehenen nach sich ziehen. Neben den Ausstellungsfotos in ihrer materiellen und medialen Dimension geraten so vor allem auch verschiedene Akteur*innen und Aktanten in den Blick, die das fotografische Handeln mitkonstituieren. Dabei wird das Fotografische als Bild und als komplexes Handlungsgefüge mit spezifischen technisch-medialen, sozialen, kulturellen und ästhetischen Bedingungen in den Blick genommen.

 

Tiefenblicke. Fotografische Visualisierungen des Vergangenen 1840-1890 (AT) |

Paul Brakmann

Tower_Heidelberg.jpg

Am Ausgang des Dissertationsprojektes steht die Frage nach dem Niederschlag, den das 19. Jh. als "Jahrhundert der Geschichte" (Benedetto Croce) in der Bildlichkeit seiner fotografischen Produktion fand. Im Konkreten leitend ist dabei die Beobachtung, dass Gestaltung und technisch vermittelte Transparenz der frühen Fotografie in kunstgewerblichen und wissenschaftlichen Alben und in fotografisch illustrierten Büchern genutzt wurden, um einen charakteristischen historischen Imaginationsraum hervorzubringen. Solche Werke untersucht das Projekt exemplarisch auf ihre implizite Betrachter*innenfunktion. Aus einer rezeptionsästhetischen Perspektive gilt das Interesse dabei vor allem bildlichen Leerstellen, die einladen, Fotografien von Artefakten, Menschen, Landschaften imaginativ zur Gegenwart vergangener Wirklichkeit zu vervollständigen. Diesen Vorgang sucht das Projekt innerhalb des visuellen Feldes der Geschichtskultur des 19. Jh. zu verorten und seine politischen und kommerziellen Verflechtungen zu rekonstruieren.

 

Assoziierte Projekte

 

Architektur im Messbild. Albrecht Meydenbauers perspektivische Gestaltung der Fotografie (1885-1921) | Sara Hillnhütter

Messbild Kölner DomDer Architekt Albrecht Meydenbauer (1834-1921) nutzte fotomechanische Lichtbilder, um Denkmäler mittels einer perspektivischen Projektion zu vermessen. Die Krümmung der Lichtstrahlen und Linien im Bild suchte Meydenbauer apparativ zu minimieren, um die Bildfläche im Sinne einer Ökonomie der geometrischen Informationen zu nutzen. Der geometrische Systemraum der Planperspektive wurde dabei in den Erfahrungsraum der Fotografie überführt. Die wissenschaftshistorische Fragestellung des Dissertationsprojektes geht dem veränderten Status der Bildlichkeit nach. Bereits in den Anfangsjahren der Königl. Preußischen Meßbildanstalt begann ein reger Diskurs unter Kunsthistorikern und Archäologen, aus dem heraus Handlungsanweisungen formuliert wurden, wie Gebäude aufzunehmen seien. Anhand dieser frühen Technikkritik, die häufig mit optisch-perspektivischen Vokabeln der Verzerrung, Fluchtung oder Krümmung operiert, soll der epistemische und ästhetische Gebrauch der Architekturfotografie historisch situiert werden.

 

 

Raumfilm: Die Erweiterung des Filmraums um die dritte Dimension im digitalen stereoskopischen Film | Luisa Feiersinger

StereoscopiksDas Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit den stereoskopischen Bewegungsbildern rezenter Unterhaltungsfilme. Obwohl der stereoskopische Film auf eine bis in die Anfänge des Films reichende Entwicklungsgeschichte zurückblickt, sind er und sein spezifischer Raumeindruck von den Bild- und Filmwissenschaften noch weitgehend unerforscht. In frühen filmtheoretischen Texten finden sich jedoch mit ihm verbundene Assoziationen gesteigerter Unmittelbarkeit und Körperlichkeit. Ein Anliegen des Projektes ist es daher, die Einlösung dieser Erwartungen und Konzepte durch existierende Filme zu überprüfen. Hierbei wird angenommen, dass erst mit der digitalen Produktions- und Projektionstechnik der dreidimensionale Effekt so umgesetzt werden kann, wie es beispielsweise schon Rudolf Arnheim und Sergei Eisenstein imaginierten. Zusätzlich scheint durch die digitale Produktionstechnik jene Kontrollierbarkeit des dreidimensionalen Effekts verwirklicht, die dessen gezielten Einsatz für die Narration ermöglicht. Anhand ausgewählter Filme sollen Funktion und Art des dreidimensionalen Raumeindrucks untersucht werden, sowie seine Auswirkungen auf filmstilistische Mittel und Rezeption. Ziel des Vorhabens ist es, die dreidimensionalen Bewegungsbilder der Unterhaltungsfilme mit kunstwissenschaftlichen Methoden und vor dem Hintergrund sich wandelnder Seh- und Darstellungskonzepte als eine aus historischen Darstellungsweisen amalgamierte technische Bildform zu erforschen.

 

 

Bild, Ton und Schrift als Medium und Material in Jean-Luc Godards "Histoire(s) du cinéma" (1988–1998) | Thomas Helbig

Thomas helbig_Foto Wilfried Reichart.pngMit seinem knapp viereinhalbstündigen Videozyklus „Histoire(s) du cinéma(1988–98) hat Jean-Luc Godard (*1930) einen Film hergestellt, der nahezu vollständig auf bereits bestehendes Material zurückgreift. Versatzstücke aus Literatur, Musik, Bildender Kunst und Film finden in einer audiovisuellen Montage aus Bild, Ton und Schrift zusammen, die die konventionellen Gräben von high und low fortwährend ignoriert. Das Ergebnis ist eine irritierende und Fragen aufwerfende Montagearbeit, deren inneres Ordnungsprinzip zunächst kaum nachvollziehbar erscheint. Das Dissertationsprojekt macht sich diese Problemstellung zu eigen, die sie vor dem Hintergrund der strukturell, ideengeschichtlich und formalästhetisch neu formulierten Filmsprache Godards untersuchen möchte. Um den inneren Zusammenhang der „Histoire(s)“ besser sichtbar zu machen, wird der Versuch unternommen, Godards Filmatlas als eine topografische Anordnung zu verstehen, deren imaginäre Architektur in unterschiedliche Sektionen und Räume gegliedert ist. Im Mittelpunkt steht der Versuch, die zentralen Themen und Leitmotive herauszuarbeiten und anhand derjenigen (Film-)Momente argumentativ zu behandeln, in denen sie sich jeweils am deutlichsten entfalten.