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Humboldt-Universität zu Berlin - Das Technische Bild

Aktuelle Projekte

 

Architektur im Messbild. Albrecht Meydenbauers perspektivische Gestaltung der Fotografie (1885-1921) | Sara Hillnhütter

Messbild Kölner DomDer Architekt Albrecht Meydenbauer (1834-1921) nutzte fotomechanische Lichtbilder, um Denkmäler mittels einer perspektivischen Projektion zu vermessen. Die Krümmung der Lichtstrahlen und Linien im Bild suchte Meydenbauer apparativ zu minimieren, um die Bildfläche im Sinne einer Ökonomie der geometrischen Informationen zu nutzen. Der geometrische Systemraum der Planperspektive wurde dabei in den Erfahrungsraum der Fotografie überführt. Die wissenschaftshistorische Fragestellung des Dissertationsprojektes geht dem veränderten Status der Bildlichkeit nach. Bereits in den Anfangsjahren der Königl. Preußischen Meßbildanstalt begann ein reger Diskurs unter Kunsthistorikern und Archäologen, aus dem heraus Handlungsanweisungen formuliert wurden, wie Gebäude aufzunehmen seien. Anhand dieser frühen Technikkritik, die häufig mit optisch-perspektivischen Vokabeln der Verzerrung, Fluchtung oder Krümmung operiert, soll der epistemische und ästhetische Gebrauch der Architekturfotografie historisch situiert werden.

 

 

Raumfilm: Die Erweiterung des Filmraums um die dritte Dimension im digitalen stereoskopischen Film | Luisa Feiersinger

StereoscopiksDas Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit den stereoskopischen Bewegungsbildern rezenter Unterhaltungsfilme. Obwohl der stereoskopische Film auf eine bis in die Anfänge des Films reichende Entwicklungsgeschichte zurückblickt, sind er und sein spezifischer Raumeindruck von den Bild- und Filmwissenschaften noch weitgehend unerforscht. In frühen filmtheoretischen Texten finden sich jedoch mit ihm verbundene Assoziationen gesteigerter Unmittelbarkeit und Körperlichkeit. Ein Anliegen des Projektes ist es daher, die Einlösung dieser Erwartungen und Konzepte durch existierende Filme zu überprüfen. Hierbei wird angenommen, dass erst mit der digitalen Produktions- und Projektionstechnik der dreidimensionale Effekt so umgesetzt werden kann, wie es beispielsweise schon Rudolf Arnheim und Sergei Eisenstein imaginierten. Zusätzlich scheint durch die digitale Produktionstechnik jene Kontrollierbarkeit des dreidimensionalen Effekts verwirklicht, die dessen gezielten Einsatz für die Narration ermöglicht. Anhand ausgewählter Filme sollen Funktion und Art des dreidimensionalen Raumeindrucks untersucht werden, sowie seine Auswirkungen auf filmstilistische Mittel und Rezeption. Ziel des Vorhabens ist es, die dreidimensionalen Bewegungsbilder der Unterhaltungsfilme mit kunstwissenschaftlichen Methoden und vor dem Hintergrund sich wandelnder Seh- und Darstellungskonzepte als eine aus historischen Darstellungsweisen amalgamierte technische Bildform zu erforschen.

 

Assoziierte Projekte

 

Bild, Ton und Schrift als Medium und Material in Jean-Luc Godards "Histoire(s) du cinéma" (1988–1998) | Thomas Helbig

Thomas helbig_Foto Wilfried Reichart.pngMit seinem knapp viereinhalbstündigen Videozyklus „Histoire(s) du cinéma(1988–98) hat Jean-Luc Godard (*1930) einen Film hergestellt, der nahezu vollständig auf bereits bestehendes Material zurückgreift. Versatzstücke aus Literatur, Musik, Bildender Kunst und Film finden in einer audiovisuellen Montage aus Bild, Ton und Schrift zusammen, die die konventionellen Gräben von high und low fortwährend ignoriert. Das Ergebnis ist eine irritierende und Fragen aufwerfende Montagearbeit, deren inneres Ordnungsprinzip zunächst kaum nachvollziehbar erscheint. Das Dissertationsprojekt macht sich diese Problemstellung zu eigen, die sie vor dem Hintergrund der strukturell, ideengeschichtlich und formalästhetisch neu formulierten Filmsprache Godards untersuchen möchte. Um den inneren Zusammenhang der „Histoire(s)“ besser sichtbar zu machen, wird der Versuch unternommen, Godards Filmatlas als eine topografische Anordnung zu verstehen, deren imaginäre Architektur in unterschiedliche Sektionen und Räume gegliedert ist. Im Mittelpunkt steht der Versuch, die zentralen Themen und Leitmotive herauszuarbeiten und anhand derjenigen (Film-)Momente argumentativ zu behandeln, in denen sie sich jeweils am deutlichsten entfalten.

 

 

Zellbilder. Die Kunstgeschichte biologischer Darstellungen um 1800 | Matthias Bruhn

membranKurz nach 1800 soll in einem wissenschaftlichen Wettbewerb der Bau der Pflanzen, insbesondere ihrer Gefäße und ihres Säftehaushalts, geklärt werden. Mikroskopische Forschungen zu dieser Frage lösen einen Disput aus, in dem Kupferstiche zu einem zentralen Instrument der Kommunikation werden - hergestellt von künstlerisch trainierten Illustratoren, welche die Beobachtungen oder deren Abzeichnung in das Bild übertragen müssen. Kaum erkennbare Details wie die Zellwand werden dabei als präzise Linien ausformuliert, welche das Bild des Gewebes und seiner Beschaffenheit mitprägen. Während Künstler in diesem Prozess der 'Bildgebung' zunehmend gefragt sind, werden auch die an den Untersuchungen beteiligten Naturforscher allmählich zu Historikern ihrer eigenen Bildmedien.

 

 

Diagramme der Stilgeschichte - Elemente einer Stilgeschichte der Diagramme | Karsten Heck

heckDie graphische Visualisierung kunsthistorischen Wissens geschieht seit den Anfängen der Disziplin in Form von chronographischen Zeitleisten, relationalen Netzwerken und kunsttopographischen Karten. Im Rahmen des Dissertationsprojekts werden die graphischen Methoden der Kunstwissenschaft vor der Folie einer interdisziplinären Stilgeschichte der Diagramme rekonstruiert. Die zentrale Fallstudie anhand von Nachlassmaterialien des Architekturhistorikers Heinrich von Geymüller fokussiert dabei gezielt die Zeit um 1900, in der wissenschaftliche Bildstrategien z.B. der Statistik, Meteorologie, Evolutionstheorie, Ingenieurs- und Geowissenschaften in Konjunktion treten mit Tendenzen der Abstraktion in den Künsten. Ziel ist es, die Geschichte der Kunstgeschichte selbst als eine Geschichte der Zeichnung lesbar zu machen, in der Stilentwicklungen und Totalitätskonstruktionen der Künste als Punkte, Linien und Flächen in Koordinatenräumen zu spezifischen Formen der Sichtbarkeit gelangen und der Theoriebildung operative Denkräume eröffnen.

 

 

Klimabilder | Birgit Schneider

Klimabilder

Das Klima ist die Statistik des Wetters. Deshalb sind auch die meisten Bilderzeugnisse zum Klima statistische, d.h. diagrammatische Darstellungen: Tabellen, Balkendiagramme, Kurven, Schemata, Satellitenbilder, Karten und Modelle sind das Repertoire, aus welchem die heutigen Klimatologen schöpfen. Aber auch Baumringe, Bohrkerne und Sedimente oder die Video-Aufzeichnungen von Sturmfluten und Wirbelstürmen können „Klima“ darstellen. Es waren Bilder, die die Klimatologie als Wissenschaft begründeten. Das Projekt versucht die verschiedenen Bildtypen, die Klima in den Blick gebracht haben, konzise zu analysieren und auf die Frage hin zu untersuchen, inwiefern diese Bilder bestimmte Vorstellungen von Klima und Klima im Wandel erzeugt haben.

 

 

Die menschliche 'Sensory Property': Ein Ansatz zu einem Kompakt-Modell der Bildwahrnehmung | Yasuhiro Sakamoto

ER2(Sakamoto)Arbeiten der Gestaltpsychologie enthalten auch zahlreiche Hypothesen zur menschlichen Kunst- und Bildwahrnehmung, die mit zurückgehenden Einfluss dieser Forschungsrichtung jedoch nicht weiter verfolgt wurden. Dagegen haben Kunsthistoriker im Rahmen einer 'bildwissenschaftlichen' Kunst- und Bildbetrachtung seit den 90er Jahren versucht, die Untersuchung von Kunstwerken als 'Cognitive Studies' neu zu fassen. Daneben gibt es Ansätze, Kunst- und Bildwahrnehmung mit physiologischer Methodik zu untersuchen. Ein Blick auf den entsprechenden Forschungsstand zeigt jedoch, dass der Ansatz vor allem um die Frage kreist, das Verhältnis von Bild und Wahrgenommenem zu erklären; dagegen dürfte das Problem womöglich eher darin liegen, dass Verfahren der Psychologie nicht im ausreichenden Maße berücksichtigt sind. Eine Forschungsaufgabe bestünde darin, aus einem gestaltpsychologischen Blickwinkel und dem Konzept der menschlichen 'Sensory Property' für die Bildwissenschaften ein neues Wahrnehmungsmodell zu entwickeln, das der Idee des wissenschaftlichen Realismus gerecht wird. Für die Untersuchung dieses Modells werden Klangskulpturen Stephan von Huenes den Ausgangspunkt darstellen, weil dieser sich in seiner Kunstproduktion intensiv mit einer 'intermodalen Bildwahrnehmung' beschäftigt hat.

 

 

Camera Obscura - Der scheinbare Tod der Malerei oder der Beginn einer wunderbaren Welt | Norma Windmöller

DescartesDas interdisziplinär angelegte Dissertationsprojekt untersucht im fruchtbaren Spannungsfeld von Kunst und Naturwissenschaft die frühe Verbindung von Malerei und Technik auf der Basis einer kommentierten Chronologie der kulturhistorisch bedeutsamen Quellen zur camera obscura. Ziel des Projekts ist zum einen eine neue Systematik des Instrumentes camera obscura und zum anderen eine Analyse der optisch sichtbaren Merkmale in Bildern, für welche die Quellenlage und der Nachweis von zeitgenössischen Instrumenten scheitern. Der Fokus des Interesses liegt dabei auf den spezifisch divergierenden künstlerischen Anwendungsweisen der camera obscura. Untermauert wird die analytische Betrachtung von Werkbeispielen durch die Inbezugnahme des zeitgenössischen Kontextes, der die Bedeutung der camera obscura in der ästhetischen Verbindung von Optik, Malerei und Fotografie erläutern und damit zeigen will, wie sich Künstlern, Betrachtern und Wissenschaftlern des 17. und 18. Jahrhunderts mittels des oculus artificialis ein neuer Blickwinkel auf die sichtbare Welt eröffnet.